Der Aktionstag ist nun vorbei und wir möchten diesen mit einem kleinen Resümee dokumentieren und bewerten.
Vorträge: Etwa 50 Menschen kamen am Vormittag zu der Vortragsveranstaltung in die Hochschule Köthen/Anhalt.
Mit kurzer Verspätung fing Mario Möller an, die ostdeutsche Identität zu analysieren und kritisierte den Demoaufruf, weil dieser seiner Meinung nach die Zustände einer ostdeutschen Provinz verharmlost.
Er sprach von den Lebens- und vor allem Produktionsverhältnissen in der DDR, die dazu beitrugen, dass ein kollektives Bewusstsein und Produzieren im „Betrieb“ nach ’45, fortgeführt und so alles außerhalb dieser Produktionsgenossenschaften als eine Art „raffendes Kapital“ betrachtet wurde. Vor allem wurde und wird der „Wessi“ als Störfaktor in dieser ostdeutschen Gemeinschaft empfunden, da er beschuldigt wird diese verändern oder zerstören zu wollen.
Nach einer kurzen Pause hielt Jan Gerber den zweiten Vortrag, in dem er ostdeutsche Verhältnisse mit der Linkspartei in Verbindung brachte und sie unter anderem als „die Partei des Ostens“ bezeichnete.
Sie sei die „Partei des kleinen Mannes“ und genau deswegen so verabscheuungswürdig, da gerade die Wünsche und Vorstellungen der „einfachen Leute“ das Bild dieser unliebsamen Provinz prägen.
Die Vortragsveranstaltung verlief ohne Störungen und war nach knapp 2 Stunden beendet.
Beide Vorträge wurden mitgeschnitten und werden in den nächsten Tagen als Audiodateien hier zum Download angeboten.
Demonstration: Mit einem völlig überzogenen Polizeiaufgebot von 2-3 Hundertschaften war der Bahnhof total abgeriegelt und bewacht. So wurde schon auf dem Weg zum Demonstrationsstartpunkt eine kleine Gruppe Teilnehmer von Einsatzkräften aufgehalten.
Diese forderten, ohne einen Grund nennen zu können, die Personalien der Teilnehmer, die nach kurzer Diskussion natürlich nicht herausgegeben wurden.
Durch eisige Kälte und starken Schneefall mussten viele Unterstützer/innen notgedrungen absagen und die Demonstration startete mit etwa 50 Menschen. Die Demoroute wurde durch die geringe Teilnehmerzahl und das schlechte Wetter unsererseits abgekürzt, um zum Kundgebungsplatz an der Persiluhr in der Innenstadt zu ziehen und die Redebeiträge zu verlesen.

Der erste Redebeitrag kam von der „Gruppe gegen deutsche Normalität“ und behandelte die Widerlichkeiten der Stadt in Relation zur ostdeutschen Provinz. Dabei wurde unter Anderem Bezug zur Familie Ritter, Köthens Heimatmärchen oder dem Karnevalsverein genommen.
Der zweite Redebeitrag, vom „Antifaschistischen Informationsportal Köthen“, thematisierte vor allem die lokalen Nazistrukturen und verwies außerdem auf eine am 15.01. stattfindene Kundgebung der Neonazis in Köthen, die die Bombardierung Magdeburgs zum Inhalt haben soll.
Die „AG No tears for Krauts Halle“ verlas den letzten Redebeitrag, welcher die Aussichtslosigkeit einer ernst gemeinten Gesellschaftskritik zum Inhalt hatte. Sie gingen dabei auf die Barbarei des flachen Landes am konkreten Beispiel Köthens ein und erklärten, dass dieser Tag kein Tag für einen „[…] Beitrag zum „besseren Köthen“ […]“ sein soll, sondern fortschrittliche Kritik an der Provinz nur destruktiv sein kann.
Zum Abschluss wurden die Zuhörer/innen mit Bananen beschenkt und die Demonstration machte sich unter Sprechchören wie: „Wir haben euch was mitgebracht – Südseefrüchte!“, oder „Kühe, Schweine, Ostdeutschland!“, wieder auf in Richtung Bahnhof.
Am Hauptbahnhof angekommen, gab es zum Spaß aller Teilnehmer eine kleine Schneeballschlacht und man fuhr anschließend mit dem Zug nach Halle, um in der Reilstraße 78 den Tag ausklingen zu lassen.
Konzert: Anfangs weniger, fanden zu später Stunde doch noch viele Menschen in die Reilstraße. Mit etwa 80 Personen war das Konzert gut besucht und es wurde bis in die Morgenstunden ausgelassen gefeiert.
Das Konzert wurde in Halle und nicht in Köthen veranstaltet, weil wir in Köthen keine geeignete bzw. sichere Location fanden, um den Besucher/innen einen entspannten und gefahrenfreien Abend zu ermöglichen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Tag als Erfolg verbucht werden kann, auch wenn wir uns eine größere Demonstrationsteilnehmerzahl erhofft haben. Dass das Wetter nicht mitspielen wollte, kam dem natürlich nicht zu Gute, dennoch waren die Vorträge und das Konzert gut besucht.
Danke an die Menschen, die trotz des schlechten Wetters unsere Veranstaltungen besucht haben. Um zum Abschluss die MZ vom 11.01.2010 zu zitieren: „Bach habe die beschissenste Zeit seines Lebens in Köthen verbracht, so ein Redner, der die Einwohner aufrief, der Stadt den Rücken zu kehren.“


